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Lie Me to the Moon – Lift-off für eine fanatische Fehlersuche im Mondschein
„And the Oscar goes to … NASA!“ – den begehrten Filmpreis hätte sich die zivile US-Bundesbehörde für Raumfahrt und Flugwissenschaft zumindest redlich verdient, wenn man den zahlreichen Verschwörungserzählungen der letzten 50 Jahre Glauben schenken mag. Diese beharren versessen darauf, dass die spektakuläre Mondlandung von 1969 ein ausgeklügelter Fake der Regierung gewesen und das historische Ereignis in einem geheimen TV-Studio auf der sagenumwobenen Militärbasis Area 51 gedreht worden sein soll. Als Regisseur dieses inszenierten Weltraumballetts wird dabei niemand geringeres vermutet als der Großmeister des Science-Fiction-Kinos persönlich: Stanley Kubrick. Film ab, für einen Mythos mit astronomisch absurden Spekulationen rund um Macht, Misstrauen und die physikalischen Grundgesetze.
Knapp eine halbe Milliarde Zuschauer:innen saßen im Juli 1969 gebannt vor den Fernsehern dieser Welt und beobachteten live, wie die Astronauten Neil Armstrong und Buzz Aldrin den ersten Mondspaziergang der Menschheit absolvierten. „Alles nur Theater!“, behauptete Bill Kaysing, der Urgroßvater aller Mondlandungszweifelnden. Der 1922 geborene US-Amerikaner arbeitete von 1957 bis 1963 als Leiter der technischen Dokumentation für eine NASA-Zulieferfirma, die Triebwerke für die Saturn-V-Rakete baute. Kaysing betitelte sich selbst gerne als „NASA-Insider“, da er aber weder Ingenieur noch Wissenschaftler (geschweige denn weißer Hase) war, hat er von der US-Raumfahrtbehörde wohl höchstens das Innere der Betriebskantine zu Gesicht bekommen. 1976 veröffentlichte Kaysing sein Buch „We never went to the Moon“, in dem er zahlreiche seiner angeblichen Argumente für eine gefälschte Mondmission darlegte. Ein kleiner Schritt für ihn, aber ein großer Sprung für den gesamten Verschwörungskosmos.
Die durch die politischen Ereignisse der 60er und 70er-Jahre stark verunsicherte Bevölkerung der USA entpuppte sich hierbei als dankbares Publikum für seine haltlosen Erzählungen gegen „die da oben“. Egal ob vermeintliche optische Unstimmigkeiten, wie unnatürliche Schatten oder fehlende Sterne auf den Mondfotos, fälschlicher Wind in der US-Flagge, den es ohne Atmosphäre gar nicht geben dürfte oder die Abwesenheit von Kratern durch die Triebwerke der Mondfähre – die Zweifelnden waren überzeugt: Der NASA fehlten zu jener Zeit die technischen Kenntnisse, um Menschen auf den Mond zu bringen. Initiiert vom damaligen US-Präsidenten Richard Nixon, soll getreu dem Motto „Fake it till you make it“ der geheime Auftrag für das kosmische Schauspiel erteilt worden sein. Mit so viel verschwörerischer Fantasie aus dem eigenen Land hatte das Weiße Haus wohl damals nicht gerechnet, denn nicht einmal die verfeindete Sowjetunion hegte Zweifel an der Echtheit der Apollo 11 Mission – und das mitten im Kalten Krieg.
Letztlich lässt sich über Kaysings konspiratives Werk trotz der treuen Anhängerschaft auch nach mehreren Jahrzehnten nur sagen: Houston, wir haben ein Pamphlet! Jede seiner vermuteten Ungereimtheiten ist auf eindeutige physikalische Ursachen zurückzuführen und auch alle weiteren Verschwörungsargumente wurden längst von der Wissenschaft widerlegt. Wer also 60er-Jahre Science-Fiction-Unterhaltung aus der Feder von Stanley Kubrick bestaunen möchte, sollte lieber auf den Klassiker „2001: Odyssee im Weltraum" zurückgreifen. Dieser Streifen lässt zwar auch so manche Kritiker:innen skeptisch dreinblicken, aber dafür entsprechen Ton- und Bildqualität mehr den Ansprüchen einer handfesten Hollywood-Produktion als das schwarz-weiße Rauschen aus dem Hause NASA.
Deutschlandfunk Kultur: „Falsche Schatten, wehende Fahnen“
SWR Wissen: „Mondlandung – Die erfolgreichste Verschwörungstheorie“
Bundeszentrale für politische Bildung: „Reichsbürger, Mondlandung, Reptiloide, Flacherde“
Bild: NASA via Unsplash